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ENBW, Stuttgart

ENBW, Stuttgart

Verwaltungsbauten werden in der Regel als Flachdachbau geplant, daher ist die Dachabdichtung großer Dachflächen fast immer ein wichtiges Thema für die Bauausführung. Doch nur selten handelt es sich um eine solch große Dachfläche wie beim Verwaltungsgebäude der EnBW in Stuttgart. Auf einem nahezu 35000 m² großen Grundstück wurden drei sechsgeschossige Gebäuderiegel, ein 17 Stockwerke hoher Turm und eine Tiefgarage errichtet. Die Dachfläche ist mit ca. 10000 m² ungewöhnlich groß, allein die Tiefgarage ist von einem 7000 m² großen begehbaren Gründach bedeckt.


Langlebige Abdichtung für Gründächer

Das für ca. 2000 Mitarbeiter vom Düsseldorfer Büro RKW Rhode
Kellermann Wawrowsky konzipierte Verwaltungsgebäude in Stuttgart sollte auf Wunsch des Bauherren, der EnBW, den Anspruch erfüllen, energieoptimiert zu sein. Ziel war es, die Vorgaben der Energieeinsparverordnung zu unterschreiten. Dazu baute man Techniken zur Fensterbeschattung, Lichtdomen und nutzt Erdwärme. Eine weitere Rolle in diesem Konzept spielen die großen begrünten Dachflächen. Sie verhindern die Überhitzung der darunter liegenden Räume und verbessern gleichzeitig das Mikroklima. Regenwasser versickert langsam oder verdunstet und reguliert damit die Luftfeuchtigkeit.
Neben extensiv begrünten Bereichen finden sich auch intensiv begrünte mit begehbaren Dachterrassen und sogar vollständig ausgerüsteten Arbeitsplätzen auf dem Dach. Auch das Dach der Tiefgarage wurde begrünt.

Bei begrünten Dächern ist besonders auf Durchwurzelungsschutz der Abdichtung zu achten. Am besten eignen sich zweilagig verlegte, wurzelfeste Bahnen aus Polymerbitumen. Sie halten selbst an den Nahtstellen aggressiv wurzelnden Pflanzen stand.
Der Rohstoff Bitumen ist umweltverträglich. Bitumenbahnen halten selbst hohe Temperaturschwankungen aus und sind unempfindlich gegen mechanische Belastungen. Trägermaterialien, wie hochwertige Polyestervliese, sorgen für hohe Reißfestigkeit. Eine Bitumenbahn mit Polyestervlies kann Zugkräfte von 1.200 Newton und mehr bei einer Dehnung von fünfzig Prozent erreichen. Die Polymermodifikation des Bitumens bewirkt eine hohe Wärmestandfestigkeit und Kälteflexibilität der Bahnen.


Fester Verbund

Bei der Abdichtung des Verwaltungsgebäudes der EnBW ging man aufgrund der Größe des Daches noch einen Schritt weiter und wählte eine Bitumen-Verbundabdichtung. Bei dieser wird flüssiges Bitumen direkt auf die gereinigte und angeraute Betondecke aufgebracht. Dadurch entsteht ein fester Verbund, der das Unterlaufen von Wasser unterbindet. Kommt es im Verlauf der Standzeit des Gebäudes zu einer Beschädigung der Abdichtung, so kann sich eindringende Feuchtigkeit nicht unterhalb der Abdichtung ausbreiten. Damit ist eine punktgenaue Bestimmung der Beschädigung möglich. Dies ist besonders bei großen Dachflächen von Vorteil, da nicht die gesamte Fläche saniert werden muss.

Zusammen mit zwei Lagen Bitumenbahnen, von denen die Oberlagsbahn wurzelfest ausgerüstet ist, bildet diese Abdichtungsschicht die unterste Ebene, auf der aufbauend die Dämmung und eine Beschwerung der Dämmung folgen, wie beim klassischen Umkehrdach. Bei den extensiv begrünten Bereichen beschwert eine Festkörperdränage, Filtervlies, 10 bis 12 cm Extensivsubstrat und Sedum-Sprossen oder Vegetationsmatten die Dämmung. Bei den Intensivbegrünungen wurde ein Aufbau aus Dränschicht, Filtervlies, 35 cm Intensivsubstrat und Staudenbepflanzung gewählt.

Wichtig für den festen Verbund ist die gute Vorbereitung der darunter liegenden Rohbetonfläche. Die Abdichtungsunterlage muss völlig frei sein von haftvermindernden Stoffen. Das brachte beim Projekt in Stuttgart Probleme mit sich. Denn die fertige Betonfläche war als Unterlage für das Aufbringen des Flüssigbitumens nicht geeignet, weil die Oberseite mit Betonschlämmen bedeckt war. Die komplette Dachfläche musste zunächst kugelgestrahlt werden, bis die Körnung des Rohbetons frei gelegt war. Diese Vorarbeiten waren wichtig, um eine feste Verbindung des Untergrundes mit der Bitumenmasse herzustellen und so sicher zu stellen, dass beim fertigen Verbundsystem keine Wasserunterläufigkeit auftreten kann.

Auf die freigelegte Körnung des Rohbetons konnte dann eine Grundierung aus Elastomerbitumen aufgebracht werden, die 3 bis 5 cm tief in den Rohbeton einzieht und damit eine Grundlage für den festen Verbund schafft. Die nächste Lage des Verbunds bildet eine flüssige Heißbitumenklebemasse aus Destillationsbitumen mit Zusätzen aus Styrol-Butadien-Styrol (SBS), in die eine Elastomerbitumen-Unterlagsbahn eingerollt wird. Die Heißbitumenklebemasse wird in Blöcken von 20 kg auf der Baustelle angeliefert und vor Ort im ca. 200 °C heißen, temperaturgesteuerten Ofen erhitzt, bis es flüssig ist. Die Verarbeitungstemperatur beträgt 180°C. Das heiße Elastomerbitumen wird aus dem Ofen in Gießkannen gefüllt, um die erste Bitumenabdichtungslage im Gießverfahren zu verlegen. Je nach Untergrundbeschaffenheit sind ca. 3 kg/m² aufzubringen. Nach dem Erkalten des Elastomerbitumens entsteht so ein fester Verbund zwischen Rohbetondecke, Grundierung, Elastomerbitumen und Bitumenbahn. Den Abschluss der Abdichtungsebene bildet eine vollflächig verschweißte wurzelfeste Bitumenbahn, die überlappend im Halbversetzverfahren auf die darunter liegende Bahn aufgebracht wird.


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Diese Serie liefert Detailinformationen für Architekten, Planer und Verarbeiter
Bitumenbahnen lieben Herausforderungen